Anlässlich des 200. Jahrestages von Hermann Fürst von Pücklers Reiseantritt nach England ist die Jubiläumsedition seines berühmten Reiseberichts „Briefe eines Verstorbenen“ erschienen. Herausgegeben von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz und bearbeitet von Dr. Rudolf Kreutner, ist die Neuedition im Wallstein Verlag veröffentlicht worden. Sie erscheint zugleich im Jahr des 250. Geburtstags von Fürstin Lucie Pückler-Muskau und rückt deren Bedeutung für Leben und Werk Pücklers in den Fokus.
 
Mit den zwischen 1830 und 1831 erschienenen „Briefen eines Verstorbenen“ gelang Pückler ein literarischer Erfolg von internationaler Bedeutung. Die geistreichen und scharf beobachtenden Reiseberichte machten ihn weit über die Grenzen Preußens hinaus bekannt und prägen sein Bild als Weltenbummler, Schriftsteller und Gartengestalter bis heute.
 
Als Hermann von Pückler aufgrund seiner kostspieligen Parkprojekte in finanzielle Schwierigkeiten geriet, schlug er 1823 die formelle Scheidung vor, um in England eine wohlhabende Ehefrau zu suchen. Lucie stimmte diesem ungewöhnlichen Vorhaben zu. Die erhoffte finanzielle Rettung blieb zwar aus, doch auf Lucies Anregung hin wurden die Briefe, die Pückler während seiner Reise an sie schrieb, später anonym als „Briefe eines Verstorbenen“ veröffentlicht und zu einem literarischen Bestseller.
Die Neuausgabe wird erstmals wieder in ihrer ursprünglichen Form veröffentlicht und basiert auf der Auswertung aller erhaltenen Originalbriefe aus den Jahren 1826 bis 1829. Mehr als 300 Farbabbildungen, vielfach aus dem Besitz des Fürsten oder nach zeitgenössischen Vorlagen, ergänzen die historisch-kritische Edition.
 
In seinem Grußwort würdigte Tobias Dünow, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, insbesondere die Rolle von Fürstin Lucie Pückler-Muskau:

 

„Hermann und Lucie von Pückler waren 37 Jahre miteinander verbunden – aber nach neun Ehejahren bereits wieder geschieden. Der Grund klingt wie eine Diagnose: Parkomanie. Der Patient: Hermann. Der Befund: unheilbar. Die Behandlungskosten: ruinös. Die Rettung: Eine Idee von Lucie. Auch wenn seine Brautsuche scheiterte – seine ursprünglich an Lucie gerichteten Briefe während der Reise werden als ‚Briefe eines Verstorbenen‘ der größte literarische Erfolg des Fürsten. Während Pücklers Briefe bis heute seinen Ruhm begründen, sind ihre Briefe verbrannt – und mit ihnen ein Teil ihrer Stimme. Ich bin der Stiftung sehr dankbar, dass sie mit dem Themenjahr ‚FRAUENREICH Branitz‘ eine der unkonventionellsten und originellsten Frauen ihrer Zeit wieder sichtbar macht. Und die gute Nachricht ist: Heute muss sich niemand mehr scheiden lassen, damit die Branitzer Parkomanie finanziert werden kann. Das Land hat diesen Wahn zur Tradition erhoben und finanziert die Stiftung mit jährlich rund drei Millionen Euro, damit diese die Branitzer Parklandschaft erhält und für alle Parkomanen öffnet. Und das außerordentlich gerne.“
 
Die Jubiläumsedition „Briefe eines Verstorbenen“ ist ab sofort im Buchhandel sowie im Museumsshop der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz erhältlich.