Die Tagung der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen – eine Nachlese

Die Tagung der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen – eine Nachlese

Räume für unsere demokratische Gesellschaft offenhalten

In Halle ist die Tagung „Progressive Traditionen? Ideen für polarisierte Zeiten“ der Konferenz nationaler Kultureinrichtungen (KNK) zu Ende gegangen. Zwei Tage lang diskutierten etwa 130 Vertreterinnen und Vertreter von Museen, Stiftungen und Kulturinstitutionen aus dem gesamten Bundesgebiet die Rolle der Kulturinstitutionen in unserer demokratischen Gesellschaft. Eröffnet wurde die Tagung mit einem Grußwort von Staatsministerin Elisabeth Kaiser, Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland. Moderiert wurde die Tagung von der Journalistin und Kunsthistorikerin Dr. Sarah Alberti.

„Sehr intensive und erhellende Tage liegen hinter uns. Wir haben Herausforderungen analysiert, Erfahrungen ausgetauscht und Perspektiven für die Zukunft entwickelt – stets in dem Verständnis, dass Tradition etwas ist, das ausgehandelt wird. Kulturelles Erbe wird nicht bewahrt, um eine homogene Vergangenheit festzuhalten, sondern um deutungsoffene Zukunftsräume zu eröffnen. Dabei sollen gesellschaftlicher Zusammenhalt und zivilgesellschaftliche Freiräume gestärkt werden. Das haben wir auf der KNK-Tagung gemeinsam getan“, so die KNK-Sprecher Dr. Stefan Körner, Vorstand der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, und Dr. Tobias Pfeifer-Helke, Direktor der Friedenstein Stiftung Gotha.

Ein Gedanke zog sich durch die drei Panels der Tagung: Als Einrichtungen, die laut Institut für Museumsforschung einen großen Vertrauensvorschuss besitzen und denen besondere Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird, können Kulturinstitutionen gemeinsame Räume schaffen. Sie können Räume offenhalten und Raum geben – sei es in kuratierter Form, als offener Impuls oder als Ort des Zusammenkommens: Museen als Begegnungsorte, die eine haptische Dimension haben; Museen als sichere Orte – wenn es anderswo unsicher wird; Museen als entlastender Ort in krisenhaften und fordernden Zeiten.

„Kulturinstitutionen haben eine besondere Funktion. Sie sind nicht unmittelbar politisch, sie heben das Erbe auf und bieten Raum für alternatives, radikales Denken. Die Traditionen zu heben und diese in die Diskurse einzubringen ist eine wichtige Aufgabe – genauso wie Wissen zu vermitteln und zugleich Räume bereitzustellen, in denen sich Menschen direkt begegnen können“, so Dr. Raj Kollmorgen, Professor für Management sozialen Wandels an der Hochschule Zittau/Görlitz, der in seiner Zeitdiagnose betont, dass Phasen der Transformation bereits in der Vergangenheit mit Polarisierung einhergingen.

In ihrem Impulsbeitrag destilliert die Politökonomin Prof. Dr. Maja Göpel die Essenz der rechtspopulistischen, autoritär orientierten Strategie heraus: „Misstrauen zu säen in die Institutionen, die für Weltaneignungskompetenz in Demokratien geschaffen wurden“. Das sei der Grund, warum Bildungsinstitutionen, Kulturinstitutionen und Medien neben den Gerichten als Erstes angegriffen werden und ihnen unterstellt wird, sie seien nicht neutral. Warum? „Weil Weltaneignungskompetenz gegen Tyrannei hilft.“ Göpel ruft dazu auf, „den Demokratiemuskel zu trainieren“.

Wenn komplexe Kulturdebatten in Schwarz-Weiß-Muster gepresst und der Diskurs verengt werden, wenn auf Social Media und in den Massenmedien polarisiert wird, sollten Kulturinstitutionen nicht nur reagieren, so Sonja Ludwig, Director bei der Kommunikationsberatung 365 Sherpas BPI. Ihre Empfehlung: „Weg vom reaktiven, isolierten Silo, hin zur offenen, vorausschauenden Plattform, die das physische Kulturerlebnis im Museum oder Theater als Kern begreift und diesen medial sinnvoll und weitreichend ergänzt“.

Die Frage, wie politisch Kultureinrichtungen sein dürfen, wurde während der Tagung debattiert: Sind Museen als Bildungsorte auch gleichzeitig Austragungsorte politischer Debatten? Konsenz schien: Kultureinrichtungen können mit gemeinsamen (Denk)räumen oder als Orte mit Weltaneignungskompetenz einen wichtigen Beitrag zum politischen Diskurs einer demokratischen Gesellschaft leisten. Hierfür benötigen sie Zukunft, Schutz und Besonnenheit.

Die Tagung wurde mit Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien finanziert. Kooperationspartner waren die Franckeschen Stiftungen sowie das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation.

Die Konferenz nationaler Kultureinrichtungen (KNK)

Die KNK ist eine gleichberechtigte Interessensgemeinschaft von derzeit 24 national bedeutsamen kulturellen Institutionen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung aus den ostdeutschen Bundesländern. Sie dient als Plattform zur Vermittlung gemeinschaftlicher Interessen und Zielsetzungen. Ihre besondere Stärke liegt in der Heterogenität der beteiligten Einrichtungen. Die KNK wird von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt.

 

 

 

Bildmaterial finden Sie im Pressebereich der KNK.