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Restaurierte Branitzer Venus Capua zurück auf der Insel im Schlosssee

Heute kehrte die restaurierte Venus Capua auf ihre Insel im Branitzer Schlosssee zurück. Die bedeutende Plastik aus dem Besitz der „Erben nach Fürst Pückler in Branitz“ wurde in den vergangenen zwei Jahren umfassend restauriert. Der Zinkguss war infolge von Materialermüdung instabil und durch Wettereinwirkungen beschädigt. Für die Restaurierung der Branitzer Figur samt Rekonstruktion ihrer ursprünglichen Haltung und einiger fehlender Bestandteile mussten 3D-Aufnahmen von den in den Potsdamer Sammlungen und in Neustrelitz überlieferten Varianten sowie von der originalen Gussform angefertigt werden. So gelang es, die Handhaltung, fehlende Finger und die Kopfneigung zu korrigieren. Für mehr Stabilität erhielt die Venus im Inneren ein Stützkorsett, schadhafte Nähte wurden verlötet und die verformte Plinthe, die Standfläche der Plastik, neu ausgerichtet. Zum Schluss erneuerte Stiftungsrestaurator Jens-Uwe Möbert die Farbfassung.

Diese Venusfigur entstand nach einer römischen Marmorskulptur aus dem 2. Jahrhundert, die 1750 in den Ruinen des Amphitheaters von Capua bei Neapel gefunden wurde. Dort war sie Teil der Architekturdekoration. Sie ist als Siegerin über Ares dargestellt, auf dessen Helm sie mit dem linken Fuß tritt. Ab 1820 gab es Abgüsse der Venus Capua, ab 1839 auch im Berliner Zinkgussunternehmen von Moritz Geiß. Auf Empfehlung Karl Friedrich Schinkels, der die Verwendung des damals neuen Materials Zink sehr förderte, erwarb der Fürst die Figur für sein Schloss in Muskau. 1845 zog sie gemeinsam mit vielen anderen Antikenkopien um nach Branitz. An die Fürstin schrieb Pückler: „Vergesse die Statuen nicht. Sie sehen mich drohend an, als ob sie hier bleiben könnten! Unter den Unästhetischen, die fortan nun hier wandeln sollen.“

Belegt ist, dass die ursprünglich bronzefarben gefasste Plastik in Branitz vor 1855 auf der Insel im Schlosssee aufgestellt und mit Vergissmeinnicht blühenden Stauden umpflanzt war. Später verlieh ihr der Fürst durch das ultramarinblaue Gewand, das goldene Diadem und den Hautton des Körpers eine ganz einzigartige Note. Damit beteiligte er sich am zeitgenössischen Polychromiestreit, den Gottfried Semper ausgelöst hatte, weil er darauf verwies, dass alle Antiken ursprünglich farbig gefasst waren.

Nach dem Tod des Fürsten 1871 wurde die Venus terracottafarben angestrichen und an den Schwarzen See versetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand sie auf dem Marstallhof und wurde 1986 erstmals untersucht und restauriert. Die Farbreste wurden analysiert und passten zu den in den Branitzer Rechnungsbüchern von 1868/69 überlieferten Angaben. Dies ermöglichte die Rekonstruktion der Pücklerschen Farbfassung und macht die Venus Capua in Branitz einzigartig, denn die anderen bekannten Zinkgussfiguren in den Parkanlagen von Glienicke, den Römischen Bädern oder Neustrelitz sind monochrom gefasst.

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