Bundesbauministerin Verena Hubertz und Kulturministerin Dr. Manja Schüle sähen Eichen-Stecklinge in der Branitzer Baumuniversität © SFPM
Bundesbauministerin und Brandenburgs Kulturministerin besichtigen Baufortschritt der Branitzer Baumuniversität in Cottbus
Cottbus, 31. August 2026. Wie können historische Parks mit jahrhundertealten Gestaltungsideen Hitze, Dürre, Starkregen und neuen Schädlingen standhalten? Antworten auf diese Frage soll die neue Branitzer Baumuniversität in Cottbus liefern. Auf zwölf Hektar entsteht hier Deutschlands größtes Modellprojekt für die Klimaanpassung historischer Gärten und Parks. Die Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Verena Hubertz, und Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Dr. Manja Schüle, haben heute die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz (SFPM) besucht und sich über den Baufortschritt informiert.
Seit 2021 baut die Stiftung die neue Branitzer Baumuniversität auf. Gefördert wird das Vorhaben mit 5,5 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages sowie mit 6 Millionen Euro aus dem Programm „Förderung zur Anpassung an den Klimawandel“ aus Mitteln der Europäischen Union und des Landes Brandenburg.
Dr. Stefan Körner, Vorstand der SFPM: „Branitz hat schon immer in Deutschland Schule gemacht. Vor 180 Jahren schuf Fürst Pückler seine Baumuniversität, um in der kargen Lausitz ‚Oasen in Sandwüsten‘ anzulegen. Heute stehen historische Parks durch den Klimawandel erneut vor existenziellen Herausforderungen. In Branitz verbinden wir Pücklers Erfahrungswissen mit moderner Forschung – und entwickeln Lösungen, von denen historische Gärten in ganz Deutschland profitieren sollen.“
Bundesbauministerin Verena Hubertz: „Der Klimawandel wirkt längst. Wir müssen umdenken, wenn es um Parks und Gärten geht, die über Jahrhunderte bestanden haben und auch in Zukunft Anziehungspunkte sein sollen. Mit dem Programm ‚Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel‘ schaffen wir Raum dafür: Mit Forschung zu neuen klimatischen Bedingungen, mit Pflanzen, die Hitze und Trockenheit aushalten und mit Modelllösungen, die auch für andere historische Anlagen funktionieren. Die Zusammenarbeit von Bund, Land, Stiftung und Wissenschaft zeigt, wie erfolgreiche Klimaanpassung gelingen kann und wie unsere Parks auch in Zukunft bestehen.“
Brandenburgs Kulturministerin Dr. Manja Schüle: „Ein Schloss bewahrt man, indem man es möglichst wenig anfasst – einen Park, indem man ihn ständig ersetzt. Genau dafür steht die Branitzer Baumuniversität. Brandenburg ist DAS Gartenland Deutschlands mit mehr als 400 denkmalgeschützten Parks und Gärten: ein Reichtum und eine Verwundbarkeit zugleich. Deshalb stellen wir bis 2027 bis zu 30 Millionen Euro aus EFRE- und Landesmitteln für die Klimaanpassung historischer Gärten bereit. Denn wenn Brandenburg sich auf Hitze und Trockenheit vorbereitet, gehört unser Kulturerbe dazu.“
Dr. Juliane Ribbeck-Lampel, Projektleiterin Baumuniversität: „Wir sind mehr als eine parkeigene Baumschule mit ‚hippem‘ Namen: Die neue Branitzer Baumuniversität soll Landkreisen, Städten, Vereinen und weiteren Akteuren Wissen für den Umgang mit Bäumen im Klimawandel zur Verfügung stellen und zugleich als Forschungsplattform wirken. Entscheidend ist der Austausch: Erfahrungen zu teilen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.“
Eine Idee Fürst Pücklers für Herausforderungen der Gegenwart
Mit der Branitzer Baumuniversität knüpft die Stiftung, die u.a. für den Branitzer Park zuständig ist, an eine Idee von Fürst Hermann Pückler an. Ab 1846 legte er in Branitz eine Baumschule zur Aufzucht großer, verpflanzbarer Solitärbäume an, die er „Baumuniversität“ nannte. Sie versorgte zunächst die entstehende Parklandschaft und wurde ab 1871 als Handelsbaumschule betrieben. Bis kurz vor dem Ersten Weltkrieg bestand sie fort.
2011 belebte die Stiftung die historische Baumschule an ihrem Originalstandort nach Pücklers Plänen wieder. Seither werden dort historische Gehölzsorten gesichert und die Bäume für Nachpflanzungen im Branitzer Park, dessen Bestand mehr als 30.000 Bäume umfasst, aus eigener Produktion herangezogen.
Seit 2020 steht die Klimaanpassung im Zentrum der Arbeit. Bis 2031 soll sich die Branitzer Baumuniversität zu einem Kompetenzzentrum für historische Gärten und Parks im Klimawandel entwickeln.
Vier Bausteine für die Zukunft historischer Parks
- Schlossgärtnerei wird Lehr- und Schaugarten
Die historische Schlossgärtnerei entwickelt sich zu einem Lehr- und Schaugarten. Der wiederhergestellte Frühbeethof, Hochbeete und Pflanzmauern in nachhaltiger Lehm-Pisé-Bauweise vermitteln historische Gartenkunst und zeitgemäße Klimaanpassung – insbesondere an Kinder und Jugendliche. - „Eichenteststrecke“ Pücklerallee
Gemeinsam mit Forschungspartnern untersucht die Stiftung in der Pücklerallee, welche Eichenarten und -hybriden den klimatischen Bedingungen der Zukunft standhalten können. Gesucht werden klimaresiliente Bäume, die zugleich geeignet sind, das historische Erscheinungsbild des Branitzer Parks zu bewahren. - Neue Baumuniversität und Wiederherstellung der Kulturlandschaft
Auf dem Gelände einer ehemaligen Großgärtnerei entsteht die neue Branitzer Baumuniversität mit Kulturflächen zur Gehölzvermehrung, Gewächshäusern und Forschungsinfrastruktur. Zugleich wird die historische Kulturlandschaft modellhaft wiederhergestellt und für die Anforderungen des Klimawandels weiterentwickelt. Dazu gehören Agroforstsysteme, ein unter Beteiligung der Zivilgesellschaft entstehender Waldgarten, eine botanische Lebendsammlung, Wasserretentionsflächen, Flächen zur nachhaltigen Biomasseproduktion sowie neue Spazierwege und historische Sichtachsen. - Kompetenzzentrum und Forschungsplattform
Durch Forschungskooperationen, unter anderem mit der BTU Cottbus-Senftenberg, der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, den Universitäten Münster und Würzburg, der Humboldt-Universität zu Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Hochschule Geisenheim, entwickelt sich die Branitzer Baumuniversität zu einem Kompetenzzentrum für die Klimaanpassung historischer Gärten und Parks. Partner der Baumuniversität
Genau 180 Jahre nach Pücklers Gründung der ersten Baumuniversität verbindet Branitz heute historische Gartendenkmalpflege mit Forschung, Gehölzvermehrung und Umweltbildung zu einer bundesweit einzigartigen Infrastruktur für die Zukunft historischer Gärten.
Weitere Informationen: https://www.pueckler-museum.de/baumuniversitaet/
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