Fürst Hermann Pückler-Muskau

„Wer ist dieser auffallende fremde Mann mit seiner am Stock befestigten Lünette, mit seinem blauen Frack und hellen Beinkleidern, mit seiner etwas eingeschobenen, gebogenen Nase und bleichem Gesichte?“

Artikel in der Berliner Zeitung vom 20. April 1836

Eine schillernde Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts

Geboren wird er als Sonntagskind und erstes Kind von Clementine Gräfin von Callenberg und dem 16 Jahre älteren Graf Ludwig Carl Hans Erdmann von Pückler am 30. Oktober 1785 in Muskau, die eine per Vertrag geschlossene, unglückliche Ehe. In seiner Kindheit besucht Pückler verschiedene Bildungseinrichtungen, nimmt in Leipzig ein Jurastudium auf, das er ein Jahr später abbricht, um als Leutnant in die Garde du Corps in Dresden einzutreten. Von hier flieht er, hoch verschuldet, 1806 vor den Gläubigern nach Wien und bricht alsbald zu einer vier Jahre dauernden Jugendwanderung in Richtung Italien auf. Als der Vater 1811 stirbt, erbt Hermann Graf von Pückler die Standesherrschaft Muskau, seinerzeit der größte Besitz auf deutschem Gebiet, und entwickelt erste Pläne zur Landschaftsgestaltung.

Mit dem Park in Muskau, an dem er von 1815 bis 1845 arbeitet, entwickelt er eine international anerkannte »Handschrift« bei der Gestaltung von Landschaftsgärten nach englischem Vorbild. 1817 heiratet er die neun Jahre ältere Lucie, geschiedene Reichsgräfin von Pappenheim und Tochter des preußischen Staatskanzlers Karl August von Hardenberg, die seine Gartenleidenschaft und den Plan für den grandiosen Landschaftspark an der Neiße teilt. Doch verschlingt der Park ihr Vermögen, die Schulden häufen sich und der Verkauf von Muskau droht. Als letzte Rettung schlägt Lucie eine formelle Scheidung vor, damit Pückler sich in England eine vermögende Braut sucht.

Drei Jahre ist er auf Brautschau unterwegs und wenngleich sie am Ende erfolglos ausgeht, widmet sich Pückler auf seiner Reise ausgiebig den Landschaftsgärten und Parks Englands, Irlands und Wales. Was er erlebt, berichtet er in zahlreichen Briefen an seine Frau Lucie. Diese Briefe, die 1830 als „Briefe eines Verstorbenen“ erscheinen, werden ein Bestseller, mit dessen Erlös der Verkauf von Muskau zunächst aufgehalten werden kann. Ende 1834 geht Pückler abermals auf Reisen und ist sechs Jahre im Orient unterwegs. Aus Kairo bringt er Machbuba, ein junges Mädchen vom Sklavenmarkt, mit nach Muskau. 1845 muss er Muskau hochverschuldet verkaufen und auf Wunsch Lucies ziehen sie nach Branitz.

Hier lässt Fürst Pückler das spätbarocke Schloss, einst Herrenhaus seiner Ahnen, umfangreich umbauen und beginnt, inzwischen 61-jährig, in der flachen, sandigen und kargen Landschaft von Branitz noch einmal einen Landschaftspark anzulegen, der sein „Meisterstück“ wurde. Neben Muskau und Branitz gestaltet Pückler den Park von Babelsberg maßgeblich mit und hinterlässt als Gartengestalter in den Anlagen von Ettersburg, Neuhardenberg, Wilhelmsthal, Altenstein und dem Pariser „Bois de Bologne“ seine Spuren.

Nach dem Tod von Lucie im Jahr 1854 verlässt Pückler Branitz und reist zwei Jahre lang umher. Zurückgekehrt nach Branitz, beginnt Fürst Pückler mit den Arbeiten am Tumulus und der Landpyramide, reist wiederholt und führt ein offenes, gastfreundliches Haus. Er steht mit wichtigen Größen aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft seiner Zeit in Kontakt und erhebt – auch durch seinen Lebensstil – Branitz aus seinem provinziellen Dasein. Meisterhaft versteht er es, sich auf jedem Parkett in Szene zu setzen.

Selbst seinen Tod inszeniert er durch die Bestattung in der Seepyramide des Branitzer Parks mit einem kräftigen Schlussakkord. Pückler stirbt am 4. Februar 1871 und wird am 9. Februar im Tumulus beigesetzt.

Lebensstationen

1792–1804

Besuch verschiedener Bildungseinrichtungen in Uhyst, Halle und Dessau, Jurastudium in Leipzig

1785

Geboren am 30. Oktober im Schloss Muskau

1811–1814

Übernahme der Standesherrschaft Muskau, erste Pläne zur Gestaltung der Muskauer Landschaft, Teilnahme am antinapoleonischen Befreiungskrieg

1804–1810

Wien, 1807 Beginn seiner Jugendwanderung durch Süddeutschland, die Schweiz, Frankreich, Italien. Aufenthalt bei Goethe in Weimar

1815–1845

Gestaltung des Muskauer Parks im Stil eines englischen Landschaftsgartens

1814–1815

Erste Englandreise

1822

Erhebung in den Fürstenstand

1817

Ehe mit Lucie Reichsgräfin von Pappenheim, geb. Freiin von Hardenberg-Reventlow

1826–1829

Zweite Englandreise

1826

formelle Scheidung von Lucie aus finanziellen Gründen, um in England reiche Ehefrau zu finden

1834

Pücklers „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ erscheint

1830–1831

Herausgabe der ersten beiden Bände von Pücklers Buch: „Briefe eines Verstorbenen“

1843–1849

Mitwirkung bei der Gestaltung zahlreicher Parks in Preußen und Thüringen

1834–1840

Orientreise: über Dresden, Frankfurt am Main, Paris, Toulon, Algerien, Tunesien, Malta, Griechenland, Kreta, Ägypten, das Heilige Land, Libanon, Syrien, die Türkei

1846

Beginn der Arbeiten am Branitzer Park. Er bildet den Höhepunkt und Abschluss in der Kunst des deutschen Landschaftsgartens

1845

Verkauf der Standesherrschaft Muskau, Übersiedlung nach Branitz

1857

Pückler wird erster Ehrenbürger der Stadt Cottbus

1854

Reise nach Paris. Zusammenarbeit mit dem französischen Kaiser Napoleon III. am Bois de Boulogne

1871

Fürst Pückler-Muskau stirbt am
4. Februar und wird am
9. Februar im Tumulus beigesetzt

Vignette Fürst Hermann von Pückler

Fürst Pückler

„Hochmütig durch Geburt und liberal durch Nachdenken und Urteil.“

Fürstin Lucie Pückler

„Standesherrin und Gemahlin des Erlauchten Lou“

Vignette Lucie
Vignette Wappen

Gräfliche Familie Pückler

Über 300 Jahre Familiengeschichte in Branitz.

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